RA Hain
„ Ich kann es mir nicht leisten, mich mit Anwälten zu umgeben, die mir jeden Tag erzählen, was ich alles nicht darf. “ Lee Iacocca

19.03.2010

Klagewelle gegen Kündigungen nimmt in Schleswig-Holstein deutlich zu!

Nach Auskunft der Arbeitsgerichte in Schleswig-Holstein gehen derzeit „körbeweise“ Klagen gegen Kündigungen ein.

Klagewelle gegen Kündigungen nimmt in Schleswig-Holstein deutlich zu!

 

Nach Auskunft der Arbeitsgerichte in Schleswig-Holstein gehen derzeit „körbeweise“ Klagen gegen Kündigungen ein. Grund hierfür dürfte die schlechte wirtschaftliche Situation vieler Unternehmen in Zeiten der Wirtschaftskrise sein:

 

Kündigungen und Sozialauswahl

Bei betriebsbedingten Kündigungen muss eine Sozialauswahl getroffen werden. Diese erfolgt nach den Kriterien Betriebszugehörigkeit, Alter, Unterhaltspflichten und Schwerbehinderung. Allerdings kann der Arbeitgeber aus der Sozialauswahl Arbeitnehmer herausnehmen, deren Weiterbeschäftigung aufgrund ihrer Kenntnisse, Fähigkeiten und Leistungen oder zur Sicherung einer ausgewogenen Personalstruktur des Betriebes im betrieblichen Interesse liegen.

Arbeitnehmer haben grundsätzlich Kündigungsschutz, aber die Sozialauswahl ist für den Arbeitgeber erleichtert worden!

 

 

Kündigungen wegen langer Krankheit

Ein lang erkrankter Mitarbeiter kostete den Arbeitgeber in der Vergangenheit kein Geld. Nunmehr hat der EuGH hat entschieden, dass die Arbeitnehmer bei langer Krankheit einen unverfallbaren Anspruch auf Urlaub haben. Bei Wiedergenesung kann also der aufgelaufene Urlaub beansprucht werden.

Arbeitgeber werden aufgrund dieser finanziellen Risiken nunmehr eher zu dem Instrument der krankheitsbedingten Kündigung greifen, auch wenn sie dann vielleicht den Urlaub ausbezahlen müssen.

Eine Kündigung bei langer Krankheit oder wiederholter Erkrankung kann gerechtfertigt sein!

 

 

Kündigungen wegen Diebstahl

Im Jahr 2009 hat eine Vielzahl von Gerichtsentscheidungen für Aufsehen gesorgt. Eine Sekretärin in Dortmund erhielt eine Kündigung, weil sie eine Frikadelle vom Chef-Buffett gegessen hatte. Eine Supermarkt-Kassiererin am Bodensee wurde fristlos entlassen, weil sie Pfandbons über 48 und 82 Cent unterschlagen hatte. Kurz danach wurde eine Bäckereifachverkäuferin am Bodensee entlassen, weil 1,36 € in der Kasse fehlten.

Nunmehr hat Anfang 2010 das LAG Mannheim eine fristlose Kündigung eines seit über 7 Jahren beschäftigten Müllmanns als unverhältnismäßig angesehen. Er hatte ein Kinderbett aus dem Müll mitgenommen.

Die Rechtsprechung in diesen Fällen bleibt spannend!

Eine fristlose Kündigung ist möglich, wenn das Vertrauensverhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer massiv gestört ist.

 

Rechtsanwältin  Kerstin Hain, Fachanwältin für Arbeitsrecht in der Kanzlei Hain & Kollegen, Neumünster


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